„Lassen sie die Jungs doch ihr Ding machen“
Oktober 27, 2007
Ich habe es so satt. Es kann doch nicht angehen, dass in der S-Bahn irgendwelche Jugendlichen denken sie könnten mit ihrer Musik das ganze Abteil beschallen, dumme Sprüche klopfen und zu guter letzt noch Zigaretten anzünden. Von diesem illustren und zugleich traurigen Schauspiel wurde ich vor zwei Tagen Zeuge.
Ähnliches Szenario vor fünf Tagen auf dem Heimweg. Ich steige in die Regionalbahn und zwei Halbstarke sitzen gemütlich mit ihren Handyspeakern und den Schuhen auf dem Polster und rauchen. Okay – ich habe auch längere Zeit geraucht. Und irgendwie kenne ich die Zeit, als man noch Rebell sein wollte. Damals, mit 14. Man wollte sich abheben und „cool“ sein. Das ist nichts Neues.
Eins verstehe ich trotzdem nicht: Warum laufen unzählige erwachsene Menschen an diesen pubertierenden Freaks vorbei und vergraben sich hinter der Tageszeitung. Rauchen ist in Bahnen nun mal verboten und das ist auch gut so. Und angepöbelt werden ist irgendwie auch nicht so prall. Diese seltsamen Jugendlichen mit ihrer No-Future Perspektive tun mir persönlich nur leid. Aber sie einfach gewähren lassen – das kann doch nicht sein. Zugegeben. Ich gehe auch nur vorbei und denke mir meinen Teil. Und irgendwie ist das auch kein Weltuntergang. Aber da steckt doch mehr dahinter.
Ich glaube wir bewegen uns bei diesem Thema nur an der obersten Spitze des Eisbergs. Darunter steckt ein massives Vogel-Strauß Syndrom, im fortgeschrittenen Stadium. Hauptsache mein eigenes kleines Leben ist in Ordnung. Und wenn es das nicht ist – naja, dann lass mich wenigsten mit anderen Problemen in ruhe. Das wird auch der Grund sein, warum ich von der Schaffnerin die Antwort bekomme: „Lassen sie die Jungs doch ihr Ding machen“. Hallo? Das sind Teenager, die allem Anschein nach Grenzen austesten und provozieren wollen. Und man mag es kaum glauben: Sie tun das überaus erfolgreich. Wir verschließen die Augen und machen weiter, als wäre nichts passiert. Aber ich möchte nicht vom Thema abkommen. Wir sind beim Eisberg stehen geblieben unter dem die Gleichgültigkeit gegenüber Problemen und Angst steckt. Stattdessen bleiben wir entspannt sitzen und freuen uns über den schönen Tag.
Ich empfinde diese Mentalität als höchst alarmierend. Nicht, weil ein paar Jugendliche mal über die Stränge schlagen. Die werden auch noch an ihre Grenzen stoßen. Was aber ist mit Leuten wie mir, die zusehen und nichts tun? Wir sollten uns vielmehr einmischen und aktiv werden. Eingreifen, Courage beweisen. Nicht nur im Zug, sondern vor allem gegenüber unseren Mitmenschen. Jesus’ höchstes Gebot an uns Menschen war simpel: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Schau, dass du ihn Gutes tust und wenn er mal Mist verzapft, dann kann ich auch zum ihm gehen und ihm das sagen. Liebe bedeutet schließlich Anteilnahme, Verantwortung und Mut. Das kann ich leider nicht von mir behaupten. Aber ich denke darüber nach, mache mir meine Gedanken und versuche diesen Umstand zu ändern. Es gibt genug Menschen, die sich dessen nicht bewusst sind.
Den „Gesundheitszustand“ einer Gesellschaft erkennt man meiner Meinung nach an der Art und Weise wie man mit seinen Mitmenschen umgeht. Es gab auch schon Zeiten, in denen diese Ignoranz niedriger war. Derzeit ist sie gekoppelt an individuelle Lebensphilosophien und sozialer Inkompetenz. Schade. Da müsste eigentlich mehr passieren. Am besten fang’ ich bei mir an! Was ist mit dir?
Oktober 27, 2007 um 5:18 Uhr nachmittags
Sehr guter Beitrag…